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„Graswurzelarbeit“: Zeitzeugengespräch zum Thema „Kirche in der DDR“ am RSG

Stellen Sie sich vor, Sie lernen etwas über ein geschichtliches Ereignis und bekommen dann die Möglichkeit, mithilfe eines echten Zeitzeugens eine kleine Zeitreise zu erleben. Genau diese Chance hatten wir, die Schüler:innen des Religionsunterrichts der 9. und 10. Klassen des Robert-Schumann-Gymnasiums. Wir konnten persönlich mit Pfarrer Christoph Krause über das Thema „Kirche in der DDR“ sprechen.
 
Sein Vater war Pfarrer und sein Bruder initiierte selbst die wichtigste Unterschriftenaktion Leipzigs gegen die Sprengung der Universitätskirche St. Pauli im Jahr 1968 und verbrachte daraufhin zwei Jahre im Gefängnis. Christoph Krause selbst rebellierte ebenfalls, wenn auch wesentlich weniger offensichtlich. Er erzählte uns von Protestaktionen, Opposition, Aktivismus und auch von der Angst und Unterdrückung zu dieser Zeit. Es ging um „Graswurzelarbeit“, damit meinte er den konstanten Kampf für Freiheit und Sicherheit, auch wenn dieser „nur“ in kleinen Aktionen erfolgte, wie z. B. Projekte zum Klimaschutz und Kompromissbereitschaft in der Jungen Gemeinde. 
Pfarrer Krause begann das Gespräch mit seiner Familiengeschichte und berichtete von seinem Vater, der schon im Nationalsozialismus für seinen Widerstand Zeit im Konzentrationslager verbrachte. Inspiriert von den Werten ihres Vaters, leisteten auch Christoph Krause und sein Bruder Nikolaus Krause Widerstand und wurden später ebenfalls Pfarrer. Krause erzählte, wie er als Jugendlicher die Zeit seines Bruders im Gefängnis wahrnahm und welche Steine ihm selbst auf dem Werdegang zum Pfarrer in den Weg gelegt wurden. Er brachte uns Geschichten mit, von kontroversen Meinungen und Bespitzelung in der Jungen Gemeinde, dem Kirchentag 1983, bei dem ein Schwert zu einer Pflugschar umgeschmiedet wurde und malte ein anschauliches Bild der DDR auf dem Höhepunkt der Umweltverschmutzung. Dabei wirkte er mit seiner Vergangenheit im Reinen und erzählte stets mit einem Schmunzeln. Er brachte uns sogar eine Kopie seiner Stasi-Akte mit, die ganze 400 Seiten umfasste.
 
Uns persönlich hat besonders beeindruckt, wie er davon erzählte, dass er aktiv rebellierte, selbst, nachdem er sah, was seinem Bruder im Gefängnis widerfahren war. Er habe auch nie mit dem Gedanken gespielt, aus der DDR in den Westen zu fliehen. Ganz nach dem Motto: „Gottes Reich führt nicht an der DDR vorbei.“ Vor allem dieses Zitat ist uns nachhaltig im Gedächtnis geblieben. Wir sind Pfarrer Krause sehr dankbar, dass er uns seine Geschichte erzählt hat. Seine Botschaft, auch in politisch schwereren Zeiten für Freiheit und Gerechtigkeit einzustehen, wird wohl immer aktuell bleiben und ist somit auch heutzutage sehr wichtig.

Ein Bericht von Religionsschülerinnen und -schülern der 10. Klasse